INHALT:
Seit seine Frau gestorben ist, leistet nur sein Hund ihm noch Gesellschaft. Doch Walt Kowalski (Clint Eastwood) will es irgendwie auch nicht anders. Seinen Söhnen und ihren Familien begegnet er mit unverhohlener Verachtung, den jungen Priester (Christopher Carley), der sich um ihn kümmern will, lässt er kalt abblitzen. Und noch schlimmer haben es bei dem rassistischen Koreakriegsveteranen und Menschenfeind Kowalski die asiatischen Nachbarn erwischt. Als deren Sohn Thao (Bee Vang) auch noch als Mutprobe Kowalskis Heiligtum, einen alten Ford Gran Torino, zu klauen versucht, vertreibt er ihn mit Waffengewalt. Doch nach und nach, über Thao, der seine 'Schuld' abarbeiten muss und vor allem dank seiner aufgeweckten Schwester Sue (Ahney Her) kommen sich der Grantler und die Asiaten näher. Wäre das nur nicht die Straßengang, die Thao immer wieder zusetzt
KRITIK:
Ein großes Stück Kino hat Clint Eastwood als Regisseur und Darsteller mit 'Gran Torino' geschaffen. Schon lange und zu Recht als Meister hinter der Kamera gefeiert, inszeniert er sich selbst davor in einer Rolle, mit der in Sachen Güte und Selbstdemontage noch Jack Nicholson in 'About Schmidt' (und, ein Stückweit, in 'Besser geht's nicht') oder Paul Newman in 'Nobody's Fool' rechts überholt. Perfekt hält Eastwood mit seinem todkranken, unbarmherzigen Kowalski die Schwebe zwischen Held und Ekel. Mit steifem Gang und grimmigen Blick ist er ein ausgemusterter Fabrikarbeiter, der beobachten muss, wie seine Kleinstadt immer mehr vor die Hunde geht - Kinder, die keinen Respekt haben, vor allem aber auch: immer mehr 'Schlitzaugen' und andere Ausländer, die sich breit machen. Sogar seine Söhne sind eine Enttäuschung, und deren Familien sind teilweise wirklich einfach nur nervtötend. Doch der Film enthält sich des endgültigen Urteils, wieweit Kowalskis Sicht berechtigt ist oder von ihm in seiner Hartherzigkeit und Starrheit selbst bedingt ist. Eine der berührendsten Momente ist denn auch der, in dem Eastwood, seines Endes gewiss, im Badezimmer seinen Sohn anruft und beide doch nicht (mehr) miteinander reden, nicht mehr zueinander finden können. Gerade dank dieser Ausgewogenheit in Verbindung mit Eastwoods unaufgeregtem, mitunter beiläufigem Stils geraten selbst jene Elemente so lebensecht, eindringlich und bisweilen urkomisch, die man aus vielen anderen, scheinbar ähnlichen Filmen kennt. Der junge, ziellose und etwas mutlose Thao, dem Kowalski zum Lehrmeister und Vaterersatz wird - und den er erst mit zunächst böser und fieser Freude für verschiedenste Arbeitseinsätze 'ausleiht'. Oder die Schikanen durch die Asiaten-Gang - deren Anführer doch eigentlich Thaos Cousin ist. Ganz groß wird 'Gran Torino' jedoch besonders, wenn es um die harte Law-and-Order-Schiene geht, die auf den ersten Blick in diesem Altersdrama etwas fehl am Platz wirkt. Einige Male rettet der ehemalige Fabrikarbeiter Kowalski, auf dessen Veranda die stolz US-Flagge weht, mit markigem Auftritt und Waffenandrohung die Bedrängten vor den Schuften. Es will scheinen, als wolle Eastwood auf seine alten Rollen anspielen, die ihm zum Star gemacht haben - 'Dirty Harry' und Co. lassen grüßen. Und tatsächlich: Wenn er mit ausgestrecktem Zeigefinger als virtueller Pistole die Lumpen 'bedroht' und sie 'erschießt', wirkt das allein schon wegen seiner stahlblauen zusammengekniffenen Augen im faltigen Altmännergesicht Respekt einflößender als alle aktuellen Action-Helden zusammen. Die echte Knarre gibt's dann noch obendrein. Aber das Finale des Films spricht diesen etablierten Macho-Werten und -Phantasien in Sachen Gewalt als Lösungsweg, die sich bis dahin so scheinbar eingeschlichen haben, Hohn, kehrt sie um - und liefert einen geradezu weisen Kommentar zu Eastwoods eigener Rollengeschichte. Dass sein Kowalski darüber trotzdem Held bleibt, sei nicht nur verziehen, sondern verdient Respekt. Einfach, weil er schon davor so vielschichtig präsentiert wurde. Man mag dem Film denn auch verzeihen, dass die Nebendarsteller etwas blass wirken (tatsächlich macht das, wie all das andere 'Unaufgeregte', mehr als Sinn): Vor und hinter der Kamera gelingt es Eastwood mit 'Gran Torino' die große Tragik unpathetisch und maulfaul bei aller Elegie zu 'verstecken' - und damit seiner knorrigen Hauptfigur und ihrem Leben gerechter zu werden, als man es für möglich halten könnte. Ein souveränes Alterswerk, das hängen bleibt.
FAZIT:
Passend zu seinem unprätentiösen Antihelden inszeniert sich Clint Eastwood selbst fast beiläufig und umso brillanter. Sein Walt ist ein Mann, der nie richtig gelebt hat und dessen Zeit abgelaufen ist, ein knallharter Grantler und Rassist, dessen Herz noch mal als 'Ersatzvater' auftaut und der trotzdem noch zur Waffe greift, wenn jemand seinen Rasen betritt - aber auch, wenn er die Nachbarstochter vor Ghetto-Strolchen bewahrt. Kitschigkeit kommt hier nie auf, auch nicht Law-und-Order-Mentalität. Denn auch wenn Eastwood noch mal den 'Dirty Harry' macht, wird die Rolle zugleich ironisch und (alters-)weise gebrochen. Alles irgendwie nicht neu - aber ganz einzigartiges großes Kino.