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Die Klasse
Intensiv, authentisch, sehr bewegend
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Kinostart: 15.01.2009

Die Klasse

Drama | Nicht nur in Deutschland heißes Thema: an einer Pariser Schule herrscht das blanke Chaos
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Länge: 128 Minuten | Originaltitel: Entre les murs | F 2008
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DetailsStars & CrewFoto GalerieTrailer
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INHALT:

Im 20. Pariser Arrondissement, einem Multi-Kulti-Viertel und sozialem Brennpunkt, bereiten sich der junge Lehrer Francois und seine Kollegen auf das neue Schuljahr in einer Klasse mit vielen Migrantenkindern vor. Sie haben die besten Absichten, ihren Schülern das notwendige Wissen beizubringen und sich nicht entmutigen zu lassen. Vor allem Francois versucht, im Französischunterricht nicht nur notwendige Fakten und sprachliche Kompetenz zu vermitteln, sondern auch soziale Werte menschlichen Zusammenlebens, Respekt und Toleranz. Im Klassenraum mit 14- bis 15-jährigen Schülern unterschiedlicher Nationalitäten prallen Meinungen und Kulturen aufeinander, ein Mikrokosmos des heutigen Frankreichs und seiner ganzen ethnischen Vielfalt. Der engagierte Lehrer gibt trotz aller Widrigkeiten nicht auf, weicht Konfrontationen nicht aus, kämpft gegen Leistungsverweigerung und Aggression, fördert mit unkonventionellen Methoden die Stärken der Jugendlichen und gibt eigene Schwächen zu. Er spielt auf Risiko und gewinnt für alle ein Stückchen mehr Gerechtigkeit und Demokratie.

KRITIK:

Es ist dies ein Film über ein Sujet, das alle kennen: die Schule. Doch nicht Dr. Specht oder Michelle Pfeiffer (oder gar Dr. Gottlieb Taft) stehen vor der Klasse, sondern Francois Marin, ein junger Lehrer. Gespielt wird er von Francois Begaudeau, der auch das Drehbuch wie den zugrundeliegenden Roman geschrieben hat und als Lehrer ganz von seinen eigenen Erfahrungen spricht. Seine Klasse im Film ist eine wirkliche Klasse, seine Kollegen sind wirkliche Lehrer. Und was geschieht, ist nicht vorgeformter filmischer Dramaturgie unterworfen, sondern dem Ablauf des wahren Lebens.Cantet inszeniert also die Geschehnisse einer fiktionalen Vorlage nach, die ganz direkt in der Realität wurzelt. Darsteller spielen sich selbst, improvisiert, echten Situationen ausgesetzt, verfolgt von zwei, drei Kameras, die natürlich nicht wissen, was genau als nächstes passiert, wohin die Bewegung geht. So verfolgt Cantet ein Schuljahr in einer Pariser Schule, irgendwo in einem Problemviertel mit Schülern aus allen Nationen.Und der Zuschauer ist direkt dabei, als wäre er eine kleine Maus im Klassenzimmer, wenn die Schüler sich gegenseitig dissen, gegen den Lehrer opponieren, Schwierigkeiten mit einfachsten grammatikalischen Fragen haben. Und wie Francois sich bemüht, gleichzeitig Vermittler von Wissen wie auch zwischen zwei, drei Streithähnen zu sein. Wenn schon nicht den ganzen Unterrichtsstoff, so will er doch soziales Benehmen, Respekt, Kommunikationsfähigkeit und, so gut es geht, Disziplin beibringen.Wobei sich nichts Spektakuläres ergibt, keine wirklichen Wende- und Höhepunkte, wie sie ein schematisches Dreiaktdrehbuch a la Hollywood einfordern würde. Sondern eine Dynamik, die sich ganz aus den Figuren und ihrer Lebensrealität speist. Wobei sich Cantat wirklich nur auf die Schule konzentriert, das Privatleben von Schülern und Lehrern außen vor lässt. Und dabei die Schwächen eines leistungsbezogenen Schulsystems offenbart, dem sich viele - vor allem in der Pubertät, aus sozial benachteiligten Schichten - weder fügen können noch wollen. Und einer Strafordnung unterliegen, in der sie nur die Unterlegenen sein können.Cantet zeigt, wie es ist; auch die trotzigen, aufmüpfigen Schüler, mit denen es ein Lehrer nicht leicht hat. Nur ganz subtil übt er Kritik: Da zeigt er Diskussionen in der Klasse, die sich immer wieder auf nebensächliche Details fokussieren - etwa den Namen in einem Beispielsatz, der Bill lautet und nicht etwa Achmed oder Aissata -, haarspalterische Wortgefechte, die von den Schülern sicher auch als Provokation vom Zaun gebrochen werden --- und setzt dem Lehrerkonferenzen entgegen, die eine ganz ähnliche verschwommene Debattenkultur aufweisen, die keine Prioritäten kennt und in der die schwierige Diskussion um ein neues Strafsystem direkt und nahtlos übergeht in eine mit ähnlicher Leidenschaft vorgetragenen Beschwerde über den um 10 Centimes teureren Kaffee im Kaffeeautomat.Gerade weil der Film so unmittelbar die Realität abbildet und sie doch zugleich prägnant auf den Punkt bringt - auch mit einer gewissen pseudodokumentarischen Stilisierung - ist er äußerst kurzweilig, glaubwürdig und zugleich politisch durchaus relevant. Geht es hier doch um die Klientel, die Monsieur Sarkozy vor wenigen Jahren, als er noch Innenminister war, mit einem Kärcher-Reiniger von den Straßen waschen wollte. Diese Mischung war es wohl auch, die dem Film (nicht zu Unrecht) die Goldene Palme beim diesjährigen Cannes-Filmfestival sicherte.Er wird auch wirklich dramatisch, wenn es dann gegen Ende verstärkt um Suleyman geht, der aus Mali kommt, eine negative Haltung an den Tag legt und von der Schule zu fliegen droht. Und dann steht auch immer wieder Fußball im Mittelpunkt, ist immer wieder Thema der mehr oder weniger kultivierten Diskussionen in der Klasse, mit Streit und bösen Worten; und klar: jede Nationalität hat ihre eigene Lieblingsheimatmannschaft. Am Ende des Schuljahres dann ein versöhnliches Fußballspiel zwischen Schülern und Lehrern als Ausklang - bis im Herbst der Kampf weitergeht.

FAZIT:

Ein Schuljahr an einer Problemschule, nach einem autobiographischen Roman von Francois Begaudeau, der auch die Hauptfigur spielt, vielfach mit Laiendarstellern besetzt, oftmals improvisiert und immer sehr lebensnah: Regisseur Cantet hat einen ganz authentischen Film geschaffen, jenseits jeder Hollywooddramaturgie, auch ganz ohne moralischer Karthasis am Ende. Vielmehr zeigt er - durchaus mit den Mitteln des emotional packenden Erzählkinos - den Unterricht, wie er ist; nicht nur in Frankreich. Eine Lehre kann jeder, der will, selbst daraus ziehen. Goldene Palme in Cannes 2008.

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