INHALT:
Osbourne Cox hat seinen Job beim CIA wütend gekündigt und beschließt, seine Memoiren zu schreiben - was seiner Frau Katie nur ein verächtliches Lachen entlockt. Sie betreibt schon lange die Scheidung, weil sie sich eine neue Zukunft mit Harry erhofft - der allerdings ein notorischer Weiberheld ist; und irgendwann per Internetdating Linda Litzke kennenlernt, alternde Fitnessstudiomitarbeiterin mit dem Traum von den vier großen Schönheitsoperationen ihres Lebens. Linda und Kollege Chad finden eine CD-ROM mit Cox' Memoiren und wollen ihn wegen dieser bestimmt hochbrisanten Daten erpresse. Doch Chad verwechselt Cox ausgerechnet mit Harry; Lindas Chef soll einbrechenderweis bei Cox nach weiteren Geheimdateien suchen; Katie erkennt, dass der ehebrecherische Harry es mit der Treue nicht so genau nimmt; Linda sieht in Harry ihre einzige Stütze; der CIA wird aus all dem nicht klug; und die Russen spielen nicht mit.
KRITIK:
Eigentlich ist der Film nur entstanden, weil die Coens mit ihren Lieblingsschauspielern arbeiten wollten, erzählt Ethan Coen. Mit den regulars Frances McDormand, George Clooney, Richard Jenkins; und mit John Malkovich, Brad Pitt, Tilda Swinton. Als McDormand das Drehbuch bekam, fragte sie nur: 'Das ist alles?'Ja, das ist alles. Nur ein kleiner Film über eine Menge Trottel, die sich immer falsch verhalten; und die mit den Stars des Systems Coen besetzt sind.Jeder hat seine eigene kleine Geschichte, mit seinem eigenen kleinen Ziel, und in jeder kleinen Geschichte verhält sich jeder ein klein bisschen dumm; was für sich genommen gar nicht schlimm wäre. Aber wenn sich die kleinen Geschichten kreuzen, miteinander verbinden, dann summiert sich alles zu einem großen Kuddelmuddel, voll von Missverständnissen und Verwechslungen, weil sich die kleinen Geschichten ständig widersprechen und weil sich die kleinen Ziele gegenseitig aufheben. 'What a clusterfuck', seufzt der CIA-Chef.Das ist alles recht klein gehalten, so richtig los geht der Film nie; oder, anders gesagt: es geht von Anfang an los, weil sich sofort viele Wege kreuzen, aber der Film hebt bei aller Skurrilität im Kleinen nie ab in die Absurdität anderer Coen-Filme. Fast zurückhaltend sind die kleinen Geschichten um die kleinen Leute orchestriert, und zunächst werden einfach nur Fragen aufgeworfen: Was baut Harry in seiner Garage? Wieso wird er beobachtet? Wie viele Geliebte hat er eigentlich insgesamt? Und was passiert, wenn die kalte Tilda Swinton davon erfährt? Wie kann man solchen Scheiß reden wie Brad Pitt in seiner Rolle des gealterten, dauerfröhlichen und krampfhaft jugendlich gehaltenen Jüngelchens Chad? Woher bekommt man eine solche Frisur? Und was hört er auf dem iPod, dass er sich ständig tanzend bewegen muss? Warum ist der Fitnessclubleiter nicht mehr orthodoxer Priester? Wie kann man den Ex-CIA-Analysten Cox erpressen, wenn er ein Alkoholproblem hat und mitunter sehr rabiat und etwas unüberlegt auftritt? Wie kommt eine CD mit eventuell hochbrisantem Geheimdienstmaterial in die Damenumkleide? Und wird Linda Litzke (McDormand) einen humorvollen Herrn im Internetdating kennenlernen; und ihre so sehr gewünschten Schönheitsoperationen bezahlt bekommen? Und so weiterFragen, auf die es oft genug gar keine Antwort geben kann; was ja durchaus im Sinne der Erfinder ist, die einfach nur mal sehen wollen, was bei den miteinander verbundenen vielen kleinen Geschichtchen am Ende rauskommt.Die schönsten Szenen, am besten geschrieben und am lakonischsten inszeniert, das sind die mit dem CIA-Chef, der versucht, alles zu sortieren. Keiner weiß also, wohinter jeder her ist? Wir haben eine Leiche? Die nicht mehr gefunden wird? Und jeder scheint mit jedem zu vögeln? Einfach mal weiter beobachten, bis alles einen Sinn ergibt.Da kann man dann im Wandschrank gefangen sein, für einen Spion gehalten werden, sich von allen beobachtet fühlen, von der einen rausgeschmissen werden, von der anderen missachtet, hier und dort einbrechen, seit zwanzig Jahren eine nie benutzte Waffe in der Jacke haben, Informationen an die Russen verkaufen wollen, und bei all dem nicht wissen, was eigentlich im Großen los ist: lernen kann man daraus nichts. Höchstens, es nie wieder zu tun. Wenn man nur wüsste, was man getan hat.
FAZIT:
Die Coens und ihre wunderlichen Typen in einem Universum der Deppen, die immer was Falsches machen, was sich immer weiter potenziert bis in absurde Exzesse, die makabre Gewalt stets miteinschließen: Nach ihrem Oscar-Erfolg mit 'No County for Old Men' kehren sie zur schwarzen Komödie zurück, mit einer Menge kleiner Geschichten, die kunstvoll miteinander verknüpft sind und sich dabei herrlich komisch im Weg stehen. Wo haben wir letztmals so viele Stars in so vielen idiotischen Rollen gesehen; und mit so wunderlichen Frisuren wie hier Brad Pitt?